08. Mai 2009

Motion Graphics - Präsentation - MD2

Heute am 08. Mai 09 habe ich in Mediendesign 2 an der Beuth Hochschule für Technik (BHT Berlin) einen Vortrag zu Motion Graphics gehalten. Wer an der Präsentation interessiert ist, kann sich hier das .PDF herunterladen: Motion Graphics.

Was bedeutet Motion Graphics und wo wird dies eingesetzt?

Frei übersetzt, kann man es bewegte Bilder bzw. bewegte Grafiken nennen. Im deutschen ist Motion Graphics auch eher als “Filmtitel-Design” bzw. “Filmtitel-Designer” bekannt, die sich vor allem um die Gestaltung des Vorspanns des eigentlichen Films kümmern. Dabei spielen vor allem Bewegung, Typographie und Aussagekraft des Dargestellten im Vordergrund. Daher lässt sich das Wort Motion auch von Emotion, zu Deutsch Gefühle, ableiten.

Jeder Film oder viele TV Serien besitzen einen Filmvorspann, doch wieso ist das so und warum wird dieser genutzt?

Der Filmvorspann nennt den Titel, meist auch den Regisseur und die Hauptdarsteller des Films und soll vor allem die Aufmerksamkeit des Zuschauers erregen. Außerdem stimmt er die Betrachter auf das ein, was anschließend im Film folgt. Denn der Vorspann greift bereits ein Thema und die Atmosphäre des Films auf. Die Grundstimmung des Films muss möglichst schnell und gut erkennbar sein, denn es ist recht wichtig zu wissen, ob es sich gleich um einen Horror-, Liebes- oder Action-Film handelt.
Der Vorspann nennt die wichtigsten Personen, die zum Gelingen des Films beigetragen haben. Um jedoch die gefühlte Wartezeit zu verkürzen und den Zuschauer auf den eigentlichen Film vorzubereiten, werden Film-gestalterische-Elemente, wie zum Beispiel Motion Graphics, verwendet. Dazu gehören vor allem Animationen von Grafiken, Illustrationen und oftmals einfachen Formen (Kreise, Linien). Der Filmtitel Designer nutzt die visuelle Gestaltung und die starke Aussagekraft von Typographie, um die zu vermittelten Informationen zu verstärken bzw. einfacher verständlich zu machen. Genaue Umsetzungen und deren Wirkung werden anhand von 2-3 Videos später deutlich gemacht.
Neben der Einführung in den Film sollen Ort und Zeit des Geschehens möglichst deutlich werden. Dies kann durch schnelle Kamerawechsel und Einblendung kurzer Filmszenen erreicht werden.

Catch Me If You Can - Vorspann

Was wollte der Autor bezwecken

In jeder einzelnen Szene bzw. Ort wird die Hauptfigur gezeigt. Die Figur schleicht sich ständig an einen neuen Ort heran und flüchtet auch gleich wieder. Man erhält das Gefühl, dass der Protagonist etwas gestohlen haben könnte und daher wegrennen müsste, um nicht geschnappt zu werden.

Farben

Mit Hilfe der Farben wird jeweils ein bestimmter Ort charakterisiert, denn eine neue einzelne Szene bzw. ein bestimmter Ort wird jeweils mit einer neuen Grundfarbe, also eine Farbe die im Bild dominiert, dargestellt. Die Hauptfigur bleibt dabei überwiegend schwarz, es kann jedoch anhand der übergreifenden Hintergrundfarbe eine Gefühlsstimmung wahrgenommen werden.

Starkes Blau und Schwarz Töne symbolisieren vielmehr die Flucht der immer wieder gezeigten Person. Da das Bild recht dunkel gehalten ist, wirkt die Sequenz wie eine Flucht bei Nacht, wo man eher den Schutz der Dunkelheit sucht. Aus diesem Grund hebt sich die Hauptfigur nicht gerade sehr stark von der Umgebung ab. Es wirkt geheimnisvoll und etwas mysteriös, da das Interesse geweckt wird, was es sich mit dieser Person auf sich hat.

Sobald Frauen und Liebe die Szene bestimmen, werden überwiegend Gelb-, Orange- und Violetttöne verwendet.

Grafiken und Formen

Die Grafiken und Formen wirken recht minimalistisch, so wie es Piktogramme sind. Es werden keine aufwendigen Grafiken gezeigt.

Die Grafiken selber erscheinen selber oftmals in einer minderwertigeren Qualität, da sie zum Beispiel nicht sauber mit Farbe gefüllt sind. Es wirkt alt und etwas abgenutzt. Auch die Kombinationen der Formen und Grafiken wirken, wie die Bilder aus den 50er. Deren Kunstrichtung dominierte die Pop-Art.
Diese Pop-Art ist daher noch einmal ein Anzeichen dafür, in welcher Zeit sich der Film abspielen könnte.

Kameraführung

Die Kamera bewegt sich stetig Seitwerts, so dass ein Gefühl vermittelt wird, als würde das Strichmännchen, das die Hauptfigur symbolisiert, vor jemandem wegrennen. Auf starke Kameraschwenks wird verzichtet. Oftmals bleibt die Kamera nur stehen und beobachtet sozusagen die Szene. Die Kamera wirkt so, als würde sie heimlich den Protagonisten filmen, denn es wird versucht, die bestimmte Strichfigur stets im Bild zu behalten.

Räumliche Dimension

Der Vorspann ist komplett in 2D gehalten. Durch den Einsatz großzügiger Flächen und Farben entsteht trotzdem das Gefühl, als würde sich die Person in einem Raum befinden. Das wiederrum durch die Kameraführung verstärkt wird. Die Figur wandert von einem Punkt zum anderen. Man denkt und man hat auch das Gefühl, dass sich der Protagonist in einer Stadt bewegt.

Musik

Die Musik verstärkt das geheimnisvolle in den einzelnen Szenen. Sie ist nicht aufdringlich, aber wechselnd schnell. Das Spiel zwischen schnellen und langsamen Rhythmen verstärkt zudem wieder die Flucht der Person. Denn wenn er nicht stetig schnell ist, könnte er geschnappt werden.

Zudem wird eine Spannung aufgebaut, weil der Eindruck entsteht, dass die Hauptfigur ein bestimmtes Ziel verfolgt.
Auffällig ist außerdem, dass keine modernen Musikinstrumente verwendet werden. Jazz Musik ist eine Musikrichtung, die in den USA Anfang zwischen 1900 und 1970 dominierte. Die verstärkte Nutzung des Jazz als Hintergrundmusik gibt ebenso Informationen her, in welcher Zeit und evtl. an welchem Ort sich der Film abspielt.

Typographie

Die Typographie baut sich in die Umgebung ein und verstärkt oftmals das dargestellte (z.B.: Frau tippt auf der Schreibmaschine und über der Frau erscheinen immer neue Wörter). Die Typographie wird überwiegend mit Strichverbindungen in die Umgebung eingebunden. Teilweise bildet sie auch einzelne Objekte ab, so dass Namen und Texte nicht zu stark aus der Szene herausragen.

Entwicklung (Zeitgeschichte) des Filmtitels

Nur dank technischem Fortschritt sind Intros mit Motion Graphics möglich geworden. In den Anfängen von Kino und TV musste man sich mit primitiveren Möglichkeiten der Filmeinführung zufrieden geben.
Im Stummfilmzeitalter wurde oftmals nur der Filmtitel genannt. Eine weiße Schrift wurde auf eine schwarze Pappe angebracht, abfotografiert und in den Film gehalten - das war’s. Ebenso haben nur diese beschrifteten Plakate den Zuschauer auf Ort, Zeit und Handlung hinweisen können, die mitten im Film eingeblendet wurden. (Beispiel: Charlie Chaplin, Dick und Doof)
In den 20er wurden die Filmtafeln mit Illustrationen verziert, die oftmals aus Pappe, Tapete oder Seide bestanden. So konnte dem Filmtitel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.
In den 70ern wurde das Intro gezielt dafür genutzt, bereits durch Kamerafahrten erste Eindrücke und Gefühle dem Zuschauer zu vermitteln. Ein sehr gutes Beispiel ist der Vorspann zu James Bond 007 von 1962 der bis heute in etwas abgewandelter Form genutzt wird.

Seit den 80ern werden Computer genutzt, die eine Vielzahl von Effekten erlauben. So fliegen die Credits (Filmbeteiligte Personen) durch Häuserfronten (Bsp.: Panic Room [2002]). Die Nutzung vieler kurzer, eingeschnittener Szenen stimmt den Betrachter auf den Film ein.

Germany’s Next Topmodel 2009:

Was wollte der Autor bezwecken

Der Autor wollte mit dem Vorspann den glimmer und das fast schon barbiehafte am Topmodel zum Ausdruck bringen und somit den Zuschauer auf die Welt der Models einstimmen, wo alles perfekt wirken muss.

Farben

Der Vorspann ist in kräftigen Farben gehalten. Der Hintergrund bleibt dabei allerdings in schlichten Grautönen, um den Zuschauer nicht vom wesentlichen abzulenken. Das Hauptaugenmerk wird auf das rote Kleid gelenkt. Denn es sticht so stark aus dem Bild heraus, so dass man nirgends anders gucken kann.

Grafiken und Formen

Im Hintergrund wird der Gebrauch von Ornamenten, sehr vielen Wellen und Linien gemacht. Außerdem kommen Blumen zum Einsatz, die das mädchenhafte, schöne und funkelnde verstärken. Dies vermittelt u.a. den Eindruck, dass die Welt als Model wunderschön sein muss.

Kameraführung

Die Kamera ist auf Heidi Klum fokussiert, die stetig im Bildmittelpunkt zu finden ist. Die Kameraperspektive wechselt dauerhaft, um den Glanz und das voluminöse Kleid aus allen Blickwinkeln einzufangen. Es zeigt zudem auch, dass man als Model von allen Seiten gesehen werden möchte und das alles “perfekt wunderschön” ist.

Musik

Die Musik hat einen treibenden Charakter und vermittelt das Gefühl, sich auf dem Laufsteg zu bewegen und sich zu zeigen, was zu den Hauptaufgaben eines Models gehört.

Typographie

Die Schrift ist in einem edlen Gold gehalten, wobei die gewählte Schriftart dynamisch, aber auch “protzig” wirkt.

Räumliche Dimension

Es existiert kein richtiger Raum, da es nur einen grauen Hintergrund gibt. Der Einsatz von Linien und den Blumen, die anschließend auf einen zufliegen, vermitteln jedoch den Eindruck, dass man direkt vor dem Model steht.

Einsatz und Umsetzung von Motion Graphics im Web und Video

Dank schnellen Internetverbindungen verlagern sich bewegte Bilder ins Internet, um dort den Besucher auf der eigenen Seite zu halten bzw. den Besucher möglichst schnell und einfach zu informieren. Da man jedoch ungern eine Internetseite in Flash umsetzt und aber genauso gut statische Bilder nutzen kann, die ebenso Bewegung visualisieren können.
Trotz Statik, kann dem Betrachter Bewegung vermittelt werden. Je nach Deformierungsgrad des Objekts bzw. des Köpers wird ein unterschiedlich starker Eindruck hervorgerufen. 4-Eck wird in die zu bewegende Richtung gestreckt und das Gefühl einer Beschleunigung oder eines Sprunges wird vermittelt.

Beschleunigung:

Verformungen werden übertrieben dargestellt, damit man sie sofort erkennt und versteht. Diese Umsetzung ist jedoch auch hervorragend für den Einsatz von Bewegtbild. Es muss ja nicht immer eine realistische Darstellung sein. Anhand der übertriebenen Darstellung kann man ebenso im Video das Hauptaugenmerk auf bestimmte Objekte festlegen. Denn ein 4-Eck, das sich nach rechts schnell bewegt ist bestimmt nicht so spannend wie ein 4-Eck, das sich in eine Richtung verformt und dann wegspringt.

Kraft, Stauchung, Gegenwirkung:

Eine bestimmte Bewegungslinie kann erreicht werden, indem man wenige Ausschnitte aus der Bewegung abbildet.

Darstellung mehrerer unterschiedlichen Standpunkten einer Person:

Wer an weitere Motion Graphics Videos interessiert ist, kann sich hier etwas umschauen:

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